Meine Mama starb als ich noch klein war

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Lauras Mama hatte Magenkrebs. Er wurde sehr spät entdeckt. Von der Diagnose bis zum Todestag blieb der dreiköpfigen Familie nur ein einziges, gemeinsames Lebensjahr.
Laura erzählt ihre Mama war eine sehr starke Frau, sie jammerte nie. Sie trug ihre Krankheit mit Würde und Stolz. Doch nach 2 Ops und 2 Chemos verlor sie den Kampf gegen den Krebs endgültig.

„Es war nicht leicht zu verstehen, dass Mama nicht mehr wiederkommt, dass ihre Seele nun gegangen ist. Von einem Moment auf den anderen war alles anders, es blieb keine Zeit zum Verarbeiten, die Welt drehte sich einfach weiter. Ich hätte einfach mehr Zeit gebraucht alles zu verstehen…
Ich habe sehr viel geweint, und meine Wut herausgeschrien, das hat mir anfangs geholfen. Für schwierige Situationen gibt es kein Lehrbuch, das dir sagt, was du tun sollst, aber es gibt Menschen die einen helfen können. Heute weiß ich, ich würde mir gleich Hilfe holen.“

Der Vater hatte nach einer Weile wieder eine neue Freundin, es hielt nicht. Eine weitere Frau folgte. „Keine war wie Mama.“ Während sie mir ihre Geschichte erzählt, holt sie immer wieder tief Luft und schaut zu Boden. Die schwierigen Momente laut Revue passieren zu lassen, ist nicht immer einfach.

Laura hatte die Schnauze voll

Nach Mamas Tod fühlte sie sich im Stich gelassen. In der Schule war sie eine Außenseiterin und wurde gemobbt. Irgendwann kam der Wendepunkt. Laura hatte die Schnauze voll. Sie begann sich zu verändern.  Sie wurde „hart“ und begann Drogen zu nehmen, sich in dunklen Lokalen aufzuhalten und aggressive Musik zu hören. Doch der Schmerz war immer noch da.

Die Entscheidung, die alles veränderte

Mit nur 16 Jahren beschloss Laura für ein Jahr alleine nach Kanada zu gehen. Am anderen Ende der Welt hatte sie endlich die notwendige Zeit alles zu verarbeiten, zu realisieren und zu verstehen.  Sie setzte alle Drogen ab, ging viel spazieren, machte verschiedene Sportarten wie Rugby, Schwimmen oder Joggen. Sie achtete auf ihre Ernährung, meditierte und war ehrenamtlich in einem Altersheim und einem Second Hand Store tätig. Laura sah sich in dieser Zeit die Schicksale anderer Menschen an, und lernte sich so selbst besser kennen. Sie erholte sich vollkommen.

Als sie zurück kam beendete sie die Oberschule, und ging nach Wien Lehramt studieren.
Viele ihrer Drogenfreund/innen von damals haben es nicht geschafft die Sucht hinter sich zu lassen.

Heute nutzt sie all ihre Erfahrung, ihre Kreativität und ihr Wissen und hilft anderen Menschen. Sie arbeitet in der Drogenprävention, ist in der Theaterpädagogik tätig und findet für jeden ein gutes Wort. Sie hört auf ihr Bauchgefühl und überzeugt mit ihrer Authentizität. Aus ihr ist eine strahlende, junge Frau geworden.
Sie hat durch ihren Verlust gelernt, auf sich zu hören. Lösungen zu suchen und nicht aufzugeben. Laura hat viele neue Projekte im Kopf und sprüht vor Lebensenergie.

Ich stelle ihr die Frage, was sie den Leser/innen mit auf dem Weg geben möchte, die selbst ein Elternteil verloren haben, oder Drogenprobleme haben. Sie muss nicht lange überlegen und antwortet:

  • Bitte nehmt euch nach einem Verlust Zeit zur Ruhe zu kommen und zu realisieren. Zeit ist so unglaublich wichtig, um Akzeptieren und Loslassen zu können.
  • Holt euch Hilfe, wenn ihre eine braucht. Es gibt Menschen, die euch weiterhelfen können. Ihr seid nicht allein.
  • Drogen helfen nie, sie machen alles nur noch schlimmer!
  • Theater spielen kann eine gute Aufarbeitungsmethode sein. Man kann in verschiedene Rollen schlüpfen, sich zum Ausdruck bringen und auf spielerische Art vieles aufarbeiten.
  • Kreativität, egal in welcher Form ist sehr hilfreich, um negativen Gefühlen Raum zu lassen. Ich persönlich finde malen, tanzen, singen und Musik machen sehr wirksam.
  • Macht Sport, egal welchen. Hauptsache es macht Spaß!
  • Reist und öffnet euren Horizont, das relativiert sehr vieles.
  • Anderen helfen, hilft einen auch immer selbst.

Ich möchte mich bei Laura bedanken, dass sie mir ihre Geschichte erzählt hat und ich sie mit euch teilen darf.

Wenn wir auch nur einen Menschen Mut machen können, haben wir unser Ziel erreicht!

Alles Liebe,
Laura & Corinna

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